Pressemitteilung vom 26. April 2009

Mexikogrippe: Blindheit bei Entscheidungsträgern

Interview mit Jörg Hinrich Hacker, Präsident des Robert Koch-Instituts in Berlin (Interview Tagesthemen, 25.4.2009, 22:45 Uhr)
? Was ist genau so gefährlich an dem neuen Grippevirus?
! Also, es ist schon scheinbar ein neues Virus, was Erbmaterial von menschlichen und tierischen Viren zusammen enthält. Und es gibt Hinweise darauf, dass dieses Virus von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Und das ist das Gefährliche daran.
? Wie hoch schätzen Sie die Gefahr ein, dass sich das Virus auch bis nach Deutschland ausbreitet?
! Die Möglichkeit ist da. Wir können aber im Moment nicht beziffern, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist. Aber wir richten uns darauf ein und hoffen, dass es nicht der Fall sein wird.
? Gibt es denn, wenn das Virus doch bis nach Deutschland käme, irgendwelche Gegenmittel oder Impfstoffe vorher?
! Na, es gibt zunächst einmal Pandemiepläne in Deutschland, um hier Vorsorge zu treffen. Wir hören von den amerikanischen Kollegen, dass bestimmte Medikamente wirksam sein sollten. Hinsichtlich der Impfstoffe ist bisher noch nichts bekannt.
? Hat Deutschland einen Notfallplan, falls sich das Virus hier verbreitet und sich auch mit tödlicher Wucht verbreiten sollte?
! Deutschland hat so einen Plan. Und wir sind im Moment dabei die entsprechenden Strukturen zu aktivieren.
? Ein Detail, was die Forscher beunruhigt, ist dass nicht ältere Leute und Kleinkinder so gefährdet sind, sondern vor allem fitte junge Leute. Was hat es damit auf sich?
! Das ist richtig. Das können wir aber im Moment aber noch nicht entscheiden, worauf das zurückzuführen ist. Aber in der Tat ist es so, und das beunruhigt uns auch.


Kommentar multi MED vision, Berlin 26. April 2009

„Wir sind im Moment dabei die entsprechenden Strukturen (des nationalen Pandemieplans, Anmerkung multi MED vision) zu aktivieren“, stellt der Präsident der Robert Koch-Institutes (RKI), Jörg Hinrich Hacker, im Interview am späten Abend des 25. April (*) beruhigend fest. Experten der Berliner Medizinagentur multi MED vision nehmen jedoch ganz andere, und dazu eher fehlende Aktivitäten des dem Bundesgesundheitsministeriums nachgeordneten Institutes wahr: Seit Anfang der Oster-/Frühjahrs-Ferien werden keine aktuellen Daten zur Influenza-Aktivität durch Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) am RKI mehr publiziert (der letzte Bericht reicht bis zum 10. April, also Karfreitag 2009). Obwohl erst kürzlich vollmundig angekündigt wurde, dieses Jahr die Berichterstattung auch außerhalb der Grippesaison fortzusetzen. Ohne dieses epidemiologische Instrument sind jedoch die Bundesregierung, die deutsche Wirtschaft und alle anderen in den Nationalen Pandemieplan einbezogenen Institutionen und Personen vollständig blind. Blind gegenüber einer möglichen tatsächlichen Zunahme von akuten Atemwegsinfektionen, die eine Zunahme auch der echten Virusgrippe vermuten lassen. Lediglich der von multi MED vision erarbeitete FluSearch Index (Internetadresse www.medrat.de) liefert - bei einer Verzögerung von maximal 48 Stunden - exakte Einblicke in die aktuelle Influenza-Situation in der Bundesrepublik Deutschland.

(* Tagesthemen, 25.4.2009, ab 22:45 Uhr)


Hinweis: Möchten Sie den Pressebericht oder Teile davon in Ihren Medien kostenlos verwenden, benachrichtigen Sie uns bitte von der Publikation oder lassen uns einen Beleg zukommen.

Kontakt zur Redaktion:
mMv - multiMEDvision - Berliner Medizinredaktion
Lützowstraße 47
10785 Berlin
Telefon 030 - 806 136 79


© multiMEDvision, Berlin, 1988-2010 (Impressum). Texte und Abbildungen unterliegen deutschem und internationalem Urheberschutzrecht: Insbesondere der Nachdruck oder die Übernahme in digitale Medien ist nur nach Genehmigung und Honorarvereinbarung möglich.

Diese Seite wurde zuletzt am
06. Januar 2010 aktualisiert.