Pressemitteilung vom 26. Mai 2009
Tod im Krankenhaus: Lungenentzündung durch unnötige Magenmittel
Berlin (25.05.2009, mMv). Wie viele Menschen jährlich durch vermeidbare Behandlungsfehler in Krankenhäusern eines unnötigen Todes genau sterben, ist immer noch unbekannt. Eine jetzt im renommierten Fachblatt JAMA veröffentlichte US-Studie kommt zu dem Schluss: Allein die millionenfach an neu aufgenommene Krankenhaus-Patienten verordneten Magensäureblocker bedingen 33.000 vermeidbare Todesfälle pro Jahr in den USA. Die Wirkstoffe aus der Familie der Protonen-Pumpen-Blocker (PPI, zum Beispiel Omeprazol) blockieren die Freisetzung von Magensäure, verändern so die Bakterienbesiedlung von Magen und Darm und fördern damit lebensgefährliche Lungenentzündungen (Pneumonien). Bezogen auf Deutschland sterben dementsprechend knapp 10.000 Klinikpatienten an vermeidbaren, im Krankenhaus erworbenen Pneumonien, berichtet jetzt das Fachportal Sodbrennen-Welt.de aus Berlin.
Patienten mit schweren Verletzungen oder im Umfeld von Operationen können ein Magengeschwür (Ulkus) entwickeln, das im schlimmsten Fall zu bluten beginnt oder sogar zum Bruch der Magenwand (Perforation) führt. Diesem sogenannten Stressulkus kann mit klassischen säureneutralisierenden Wirkstoffen aus der Gruppe der Antazida vorgebeugt werden, und noch wirksamer mit Präparaten, die die Bildung oder Freisetzung von Magensäure blockieren. Doch mit der übermäßigen Anwendung dieser Wirkstoffe bei 40-70 Prozent aller Krankenhauspatienten schießen die Ärzte weit über jedes medizinisch sinnvolle Ziel hinaus. Und die im Einzelfall angemessene vorbeugende Behandlung entfaltet gefährliche und lebensbedrohliche Nebenwirkungen. Eine hiervon ist die Veränderung der natürlichen Bakterienbesiedlung von Darm (Darmflora) und Atemwegen (Atemwegsflora). Zudem verändern PPIs auch Funktionen des Abwehrsystems, zum Beispiel die von wichtigen weißen Blutkörperchen.
Wegen der Säureblockade werden herunterschluckte Bakterien nicht mehr von der Magensäure abgetötet und können leicht den Darm infizieren. Andere wiederum erreichen wegen veränderter Bakterienbesiedlung und Abwehrfunktionen auch die tiefen Atemwege (Bronchien, Lungen). Die hierdurch ausgelösten Lungenentzündungen sind besonders für bereits kranke Patienten eine gefährliche Gesundheitsbedrohung, die bei bis zu 15 Prozent der Betroffenen zum Tode führt. Das Fachportal Sodbrennen-Welt.de macht darauf aufmerksam, dass die immer weiter ansteigende, oft sinnlose Verordnung von PPIs auch und vor allem im ambulanten Bereich vergleichbar kritische Entwicklungen haben kann. Also zu vermeidbaren Todesfällen durch Pneumonien führt.
Hinweis: Nach US-amerikanischen Erhebungen aus dem Jahre 1999 (Kohn LT, Corrigan JM, Donaldson MS: To err is human - Building a safer health system. National Academy Press, Washington DC, 1999) sterben übrigens mindestens 100.000 Menschen eines vermeidbaren, unnötigen Todes in US-Krankenhäusern. Nach deutschen Analysen kommt es alleine in Abteilungen für Innere Medizin zu 58.000 Todesfälle durch Behandlungsfehler pro Jahr, von denen mindestens die Hälfte vermeidbar sind (Schnurrer JU, Frölich JC: Zur Häufigkeit und Vermeidbarkeit von tödlichen unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Der Internist. 2003;44(7):889-95.)
Der gesamte Bericht „Tod im Krankenhaus: Nosokomiale Lungenentzündungen durch Säureblocker“ findet sich auf der Website http://www.sodbrennen-welt.de
Weitere Informationen finden sich in den aktuellen Berichten von Sodbrennen-Welt.de
- Osteoporose durch niedrige Magensäure-Spiegel
- Antazida aus Aluminium-Magnesiumhydroxid: Erste Wahl der WHO
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06. Januar 2010 aktualisiert.